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Musikabend - Bertolt Brecht

25jun18:0020:00Musikabend - Bertolt BrechtUnd der Haifisch der hat Zähne…18:00 - 20:00(GMT+02:00)

Veranstaltungsdetails

EIN VON KOMPONISTEN BEGEHRTER DICHTER

Brecht und die Musik

Seine Lieder und Theaterstücke sind heute weltweit für Künstler Vorlagen, die analysiert, gestaltet und neu gedacht werden: Bertolt Brecht, dessen 50. Todestag sich am 14. August jährt. Doch wie aktuell ist der Schnriftsteller heute noch?

Als gefeierter Avantgarde-Schriftsteller in Berlin nutzte Bertolt Brecht (1898-1956) die Macht der Musik als dramaturgisches Mittel. Seine Theaterfiguren kommentierten und reflektierten das Bühnengeschehen in Songs und Balladen.

Die Präzision seiner Sprache und sein Gefühl für Rhythmus und Wortklang machten ihn zu einem begehrten Librettisten. Komponisten wie Kurt Weill, Hanns Eisler, Paul Hindemith und Paul Dessau warben um den Dichter Brecht. Und Brecht wiederum suchte die Zusammenarbeit mit den Musikern. Und häufig brachte er den Komponisten zum Text seiner Balladen auch eine Melodie mit, die er in seiner eigenen Notenschrift – einem eigenen von ihm entwickelten System – verfasst hatte.

Einfluss Brechts auf Komponisten

Der Einfluss Brechts auf seine musikalischen Partner und die Mitarbeit der Komponisten an den Texten seien ein Forschungsfeld, das heute noch kaum bearbeitet sei, meint Jan Knopf von der Universität Karlsruhe.

Hit “Dreigroschenoper”

Das am Häufigsten gespielte Werk Brechts ist die “Dreigroschenoper”, vertont von Kurt Weill. Der Uraufführung 1928 im Berliner Admiralspalast waren heftige Streitgespräche vorangegangen. Denn Kurt Weill maß der Musik eine größere Bedeutung zu als dem Wort. Eine Position, die der Dichter Brecht nicht akzeptieren konnte.

Begehrter Librettist der 1920er und 1930er

Die Kraft seiner Sprachbilder und sein Gefühl für Rhythmus und für den Klang der Worte machten Brecht zum begehrten Komponisten der 1920er und 1930er Jahre. Kurt Weill, aber auch Paul Hindemith baten Brecht um Texte zum Vertonen.

Denn Brechts Songs und Balladen hatten einen großen Vorzug – sie entstanden im Sprechen, wie der Berliner Musikwissenschaftler Albrecht Dümling erklärt: “Brecht geht vom Klang aus, der Klang der Sprache war wesentlich für ihn.” So wurden zahlreiche Brecht-Texte vertont, zu denen Weill, Hindemith, Eisler und Dessau eine kongeniale Musik schufen. Diese Musik ist geprägt von der Ästhetik der Arbeiterkulturbewegung der 1920er und 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Ein Marktfaktor

Die Lieder und Theaterstücke von Bertolt Brecht sind heute für Künstler auf der ganzen Welt Vorlagen, die analysiert, gestaltet und neu gedacht werden. Brecht der Rebell und Sozialkritiker sei im internationalen Kulturleben ein Marktfaktor geworden. Was er durchaus als Dilemma verstehe, erklärt Komponist Michael Gros vom Berliner Ensemble.

Ist Brecht noch aktuell?

Ist Brecht heute noch aktuell, bieten seine Stücke exakte Analysen der gesellschaftlichen Verhältnisse? Die jüngste Brecht-Komposition für das Berliner Ensemble, zu der Gros die Musik schrieb, war Claus Peymanns Inszenierung von “Die heilige Johanna der Schlachthöfe” im Jahr 2003. Für den Schauspieler, Regisseur und Autor Manfred Karge, der in dieser Produktion den Fleischherren Mauler spielte, der versucht, “ein guter Mensch zu werden” und gleichzeitig den Profit seines Unternehmens zu steigern, hat Brecht nichts an Aktualität verloren:

“Mauler ist für mich die interessanteste Figur, vielleicht die ambivalenteste. Man weiß ja bei ihm nie genau, was ist Kalkül und was ist Herz. Er ist ja nicht nur einer, der schaut, wie seine Geschäfte laufen, sondern auch einer, dessen herz bei seiner Begegnung mit Johanna berührt wird. Merkwürdigerweise kommt immer zum Schluss heraus, dass er auch geschäftlich wieder das Richtiger getan hat. Aber es erscheint nicht ständig als Kalkül. Er sieht auch dieses Elend und bedauert es auch.”

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Zeit

25. Juni 2024 18:00 - 20:00(GMT+02:00)